Jahrbuch Steuergerechtigkeit 2026

Das mittlerweile fünfte Jahrbuch Steuergerechtigkeit zeigt: Subventionen für große Erbvermögen, Steuerlücken für internationale Großkonzerne und das Sparprivileg für Superreiche kosten den Staat jedes Jahr geschätzt 50 Milliarden Euro. Anstatt diese Lücken zu schließen hat die Bundesregierung sie im ersten Jahr ihrer Amtszeit um etwa 30 Milliarden Euro vergrößert.

29 %

effektiver Steuersatz für Milliardäre (1996 noch etwa 60 %)

3,4 Mrd. Euro

Erbschaftsteuer erlassen, in nur 45 Fällen im Jahr 2024

3,2 %

effektiver Steuersatz der fünf größten US-Konzerne in Deutschland

Die wichtigsten Erkenntnisse

Steuerreformen der Bundesregierung vergrößern die Lücken

Die amtierende Regierung hat in ihrem ersten Jahr rund die Hälfte ihrer steuerpolitischen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt, darunter die schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer ab 2028 (Kosten: 25 Milliarden Euro pro Jahr ab 2032) sowie die Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie (Kosten: 4 Milliarden Euro). Von diesen Steuersenkungen profitieren zu etwa 80 % die wohlhabenden 10 % und zu etwa 65 % das reichste 1 % der Steuerpflichtigen.

Deutschland bleibt Niedrigsteuerland für Vermögen

2010 waren die Vermögen noch vier Mal so groß wie die Einkommen. Durch steigende Immobilienpreise und Aktienkurse sind sie mittlerweile sechs Mal so groß. Der Anteil der Steuern auf Eigentum am Steueraufkommen ist von 10 % zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre auf nur noch 1,5 % gefallen.

Milliardäre zahlen weniger als Durchschnittsverdiener

Der effektive Steuersatz für Milliardäre ist von etwa 60 % (1996) auf aktuell 29 % gefallen. Durch die bereits beschlossene Körperschaftsteuersenkung sinkt er bis 2032 um weitere bis zu fünf Prozentpunkte. Eine Milliardärsteuer brächte 10 bis 30 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen.

Steuererlasse von 3,4 Milliarden Euro für 45 große Erbvermögen

Allein 2024 wurde in 45 Fällen Erbschaftsteuer in Höhe von insgesamt 3,4 Milliarden Euro erlassen. Die effektive Steuerbelastung sank dadurch auf durchschnittlich nur 2,5 % – ein Steuergeschenk, das jeden Erwachsenen in Deutschland rund 50 Euro kostete.

Google, Microsoft und Co. zahlen nur 3,2 % auf ihre deutschen Gewinne

Allein die fünf US-Konzerne Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon und Meta verdienten 2025 in Deutschland geschätzt rund 20 Milliarden Euro – zahlten darauf aber nur 560 Millionen Euro an Steuern. Bei einer Digitalsteuer von 10 % müssten sie etwa 6 Milliarden Euro zusätzlich zahlen.

50 Milliarden Euro weiteres Umsteuerungspotenzial

In Deutschland werden umweltschädliches Verhalten und ungesunder Konsum niedriger besteuert als in vielen anderen EU-Ländern. Frankreich erhebt auf einen Privatjet-Flug nach Mallorca rund 400 Euro, in Deutschland ist er steuerlich günstiger als der Flug in der Economy-Class. Zusammen mit einer reformierten Umsatzsteuer und konsequenterer Bekämpfung von Steuerkriminalität ergibt sich ein zusätzliches Umsteuerungspotenzial von etwa 50 Milliarden Euro.

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