Die Ergebnisse des Weltungleichheitsberichts 2022 in aller Kürze

Im Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2022 beschreiben eminente Ungleichheitsforscher*innen wie Thomas Piketty, Gabriel Zucman und Lucas Chancel auf Basis zahlreicher Studien und der weitreichenden Datenbasis des World Inequality Lab die neusten Entwicklungen der globalen Ungleichheitsforschung. In der kürzlich erschienenen APuZ-Zeitschrift der Bundeszentrale für Politische Bildung ist eine ausführliche deutsche Zusammenfassung der Ergebnisse von Theresa Neef und Lucas Chancel erschienen, die sich auch Deutschland im internationalen Vergleich anschaut. Eine offizielle 15-seitige deutsche Zusammenfassung des gesamten Berichts ist hier einzusehen. Und hier im Blog Steuergerechtigkeit nun die Highlights des Berichts für die besonders Eiligen.

Einkommen
Die einkommensstärksten zehn Prozent der Weltbevölkerung beziehen derzeit etwa 52 Prozent des weltweiten Einkommens, die ärmere Hälfte der Bevölkerung hingegen nur 8,5 Prozent. Im Durchschnitt verdient eine Person aus den reichsten 10 Prozent der weltweiten Einkommensverteilung 12.100 US-Dollar pro Jahr, während eine Person aus der ärmsten Hälfte der weltweiten Einkommensverteilung 3.920 US-Dollar verdient. Global gesehen sinkt die Ungleichheit dabei insbesondere seit der Jahrtausendwende. Seit dem Höhepunkt der Ungleichheit, gemessen im Verhältnis des Durchschnittseinkommens der reichsten zehn Prozent zu dem der ärmeren 50 Prozent, in 1980 mit einem Verhältnis von etwa 50 zu eins ist das Verhältnis auf etwa 40 zu eins gefallen. Diese Annäherung wird zunehmend durch sinkende Unterschiede zwischen Ländern getrieben (also etwa zwischen den Durchschnittseinkommen von Deutschland und dem Senegal), während die Ungleichheit innerhalb von Ländern auf extrem hohem Niveau verharren (also etwa zwischen den einkommensstärksten und einkommensschwächsten Menschen innerhalb Deutschlands bzw. des Senegals).

Darstellungen aus dem APuZ-Artikel von Theresa Neef und Lucas Chancel

Vermögen
Die globale Vermögensungleichheit ist noch stärker ausgeprägt als die Ungleichheit der Einkommen. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt so gut wie gar kein Vermögen, nämlich nur zwei Prozent des Gesamtvermögens. Im Gegensatz dazu besitzen die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung etwa 76 Prozent des gesamten Vermögens. Im Durchschnitt verfügt eine Person aus der ärmeren Hälfte der Bevölkerung über ein Nettovermögen von 4.100 US-Dollar, während eine Person aus den obersten zehn Prozent im Durchschnitt 771.300 US-Dollar besitzt. Zwar gibt es auch in Bezug auf Vermögen Angleichungstendenzen, wenn man sich das bei Einkommen angewandte Verhältnis von reichsten zehn Prozent zu ärmsten 50 Prozent anschaut. Insbesondere die Superreichen trotzen jedoch diesem Trend in hohem Ausmaß. So wuchsen die Vermögen der reichsten 52 Menschen seit 1995 mit einer Rekordrate von 9,3 Prozent. Im Vergleich: Die Wachstumsraten der Vermögen der ärmsten 50 Prozent betrugen im selben Zeitraum 3,7 Prozent, das Vermögen der mittleren 40 Prozent wuchs um durchschnittlich 3,8 Prozent und das der reichsten zehn Prozent wuchs um durchschnittlich 3,0 Prozent. Das verdeutlicht die Problematik: Die Analyse und Beschreibung von Ungleichheit ist sehr abhängig von den genutzten Definitionen.

Ein wichtiges Detail der globalen Analyse von Ungleichheit ist die regionale Variation. Denn die Unterschiede sind groß: Während Europa mit Abstand die Region mit der geringsten wirtschaftlichen Ungleichheit ist, sind insbesondere die MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) und Subsahara-Afrika geprägt von besonders hoher Ungleichheit. Beispiel MENA: Sowohl die Anteile am Gesamteinkommen der reichsten zehn Prozent sind dort mit 58 Prozent (Europa: 36 Prozent) besonders hoch wie auch die Anteile der ärmsten 50 Prozent mit neun Prozent (Europa: 19 Prozent) besonders niedrig. Zusätzlich zu den Unterschieden auf der Ebene der Regionen sind besonders Unterschiede innerhalb von Regionen aussagekräftig. Ein Beispiel sind die in großen Unterschiede in Nordamerika (siehe Karte). Denn diese Unterschiede unter Nachbarn zeigen, dass das Ausmaß wirtschaftlicher Ungleichheit zu großen Teilen eine politische Entscheidung ist.

Darstellungen aus dem APuZ-Artikel von Theresa Neef und Lucas Chancel

Zwei neue Themenschwerpunkte des aktuellen Berichts sind Geschlechterungleichheit und die Ungleichheit beim Ausstoß von Treibhausgasemissionen. In Sachen Geschlechterungleichheit ist der Fortschritt langsam und in einigen wichtigen Ländern wie China sogar rückläufig. Gemessen am globalen Arbeitseinkommen ist der Anteil von Frauen seit den frühen 1990er Jahren lediglich von 30 auf 35 Prozent angewachsen. Die Ungleichheit beim Ausstoß von Treibhausgasen in Kohlenstoffäquivalenten hat ähnliche Ausmaße wie die Einkommensungleichheit. So stoßen die zehn Prozent der größten Emittenten knappe 50 Prozent aller Emissionen aus. Die untere Hälfte der Bevölkerung mit den wenigsten Emissionen ist hingegen nur für etwa zwölf Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

Soweit die Kurzzusammenfassung. Für eine etwas ausführlichere Darstellung mit mehr Grafiken erneut der Hinweis auf den deutschsprachigen APuZ-Artikel, die offizielle deutsche Zusammenfassung auf 15 Seiten sowie für die Befassung in der Tiefe auf den englischsprachigen Weltungleichheitsbericht (PDF).

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