Die Kryptolücke schließen: Warum Deutschland Kryptogewinne endlich gerecht besteuern sollte

Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland besitzen Kryptowerte. Trotzdem bleiben ihre Gewinne daraus in den meisten Fällen komplett steuerfrei. Wer Bitcoin oder Ether länger als ein Jahr hält, zahlt auf den Gewinn beim Verkauf keine Steuern. Arbeitseinkommen werden dagegen mit bis zu 45 Prozent besteuert, Aktiengewinne pauschal mit 25 Prozent. Diese Ungleichbehandlung ist steuersystematisch kaum zu rechtfertigen.

Schätzungen zufolge erzielten deutsche Anleger:innen 2024 fast 50 Milliarden Euro an realisierten Kryptogewinnen. Fast zwei Drittel davon blieben aufgrund der einjährigen Haltefrist steuerfrei. Rechnerisch entspricht dies einem entgangenen Steueraufkommen von rund 12 Milliarden Euro – allerdings in einem besonders gewinnstarken Kryptojahr.

Ein zusätzliches Problem sind fehlende Daten. Weil Kryptogewinne steuerlich mit Verkäufen von Kunst oder Oldtimern zusammengefasst werden, gibt es keine Daten dazu, wie hoch die tatsächlichen Steuereinnahmen oder -ausfälle sind. Reformdebatten finden bislang auf Basis von Schätzungen privater Kryptodienstleistungsanbieter statt.

Das Thema ist auch eine Gleichstellungsfrage. Kryptowerte sind zwischen den Geschlechtern deutlich ungleicher verteilt als klassische Geldanlagen: Männer besitzen sie mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Das Steuerprivileg begünstigt damit überproportional eine ohnehin vermögende und überwiegend männliche Anlegergruppe.

Auch im internationalen Vergleich nimmt Deutschland eine Sonderstellung ein. Dänemark besteuert Kryptogewinne mit bis zu 53 Prozent, Frankreich seit 2026 mit rund 31 Prozent und Italien mit 33 Prozent. Österreich hat sein früheres Haltefristprivileg bereits 2022 abgeschafft und besteuert Kryptogewinne grundsätzlich mit 27,5 Prozent.

Unser Vorschlag lautet daher: Die einjährige Haltefrist sollte gestrichen werden. Realisierte Kryptogewinne sollten künftig unabhängig von der Haltedauer dem persönlichen Einkommensteuersatz unterliegen – ebenso wie Arbeitseinkommen. Eine pauschale Besteuerung mit 25 Prozent Abgeltungsteuer wie bei Aktien wäre dagegen nicht überzeugend. Denn anders als bei ausgeschütteten Unternehmensgewinnen ist den Gewinnen aus Kryptowerten keine Besteuerung auf Unternehmensebene vorgelagert.

Nach unserer Schätzung, die Verhaltensanpassungen und Vollzugsdefizite berücksichtigt, ließen sich auf diese Weise zusätzliche Steuereinnahmen von rund 4 Milliarden Euro pro Jahr erzielen. Die seit 2026 geltenden Meldepflichten für Kryptodienstleister und der ab 2027 beginnende automatische Austausch der gemeldeten Daten zwischen den Finanzbehörden im Rahmen von DAC8 und CARF dürften den Steuervollzug zusätzlich verbessern.

Die Bundesregierung hat im Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 bereits eine stärkere Besteuerung von Kryptowerten angekündigt. Nach den bisherigen Aussagen sollen Kryptogewinne künftig wie Kapitaleinkünfte besteuert werden. Das wäre ein Fortschritt, bliebe aber hinter einer steuersystematisch überzeugenden Lösung zurück. Jetzt kommt es darauf an, konsequent zu handeln: Haltefrist streichen, Kryptogewinne wie Einkommen besteuern und die Datenlage verbessern.

Hier geht es zum Impulspapier.

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